Herzlich willkommen

auf der Internetseite der Evangelisch-Lutherischen Pfarrei Rehweiler/Füttersee, der etwa 800 Gemeindeglieder angehören.

Die Kirchengemeinden Rehweiler und Füttersee haben nicht nur ein vielfältiges Gottesdienstangebot, sondern auch eine interessante Geschichte. Die St. Matthäus-Kirche in Rehweiler entstand durch Kontakte zur Herrnhuter Brüdergemeinde in der Oberlausitz. Die St. Laurentius-Kirche in Füttersee besitzt einen herrlichen Altar aus dem späten Mittelalter. Die neu erbaute Autobahnkirche in Geiselwind „Licht auf unserm Weg“ ist Tag und Nacht für Reisende oder Kraftfahrer geöffnet. Die Kirche in Haag wurde im 20.Jahrhundert von der Bevölkerung selbst gebaut und wird auch heute noch mit viel Eigeninitiative erhalten.

Am 16.7.2017 wurde Hans Gernert als neuer Gemeindepfarrer in sein Amt eingeführt. (Fotos unten!)

Predigt zur Einführung

Liebe Gemeinde!

 

Der Wechsel von Bürglein nach Rehweiler bringt mich nach 35 Jahren in die nähere Heimat zurück. Als ich unsere Regionalbischöfin Gisela Bornowski vor meiner Bewerbung gefragt habe, ob es möglich ist, dass ich mich in meine Heimat bewerbe, meinte sie, das sei kein Problem; ich sei ja inzwischen lange genug an anderen Orten tätig gewesen und habe Abstand gewonnen. Das hat mir Mut gemacht, mich hierher zu bewerben. Inzwischen sind wir hier von Ihnen sehr freundlich und erwartungsvoll aufgenommen worden.

Rehweiler weckt bei mir verschwommene Jugenderinnerungen:

an Pfarrer Singenstreu, an Konfirmandenfreizeiten in Münchsteinach, an eine Freizeit in Waging am See, an Veranstaltungen in Haag.

Auch Füttersee ist mir seit meiner Schulzeit in Wiesentheid als Ortsname vertraut durch Mitschüler.

Ich sehe es als spannende Aufgabe und Herausforderung, mich mit meinen Wurzeln auseinanderzusetzen, mit der Geschichte der verschiedenen Dörfer und vor allem mit den Familien- und Lebensgeschichten, denen ich hier begegne.  

Als Gemeindepfarrer will ich mit Ihnen zusammen darauf achten, wohin Gott uns führen will. Das weiß ich nicht allein und nicht im Voraus, sondern das ereignet sich auf dem Weg und in einem lebendigen, wertschätzenden Miteinander. 

Dabei vertraue ich darauf, dass Gott uns in die Weite führen will.

Ich lasse mich ein auf Menschen vor uns, die ihre Erfahrungen in den Psalmen festgehalten haben. „Gott nimmt sich meiner an in Not und stellt meine Füße auf weiten Raum.“ (Ps 31, 9)

Oder in Psalm 18,20:  „Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus, denn er hatte Lust zu mir.“

Es ist Gottes Geheimnis, wie er sich immer wieder zu Gehör bringt in unserem Leben, wie er manchmal sanft anklopft und wie er uns ein andermal über die eigenen Füße stolpern lässt –

aber immer mit dem Ziel, uns einen weiten Raum zu eröffnen, den weiten Raum des Lebens.

Sie wissen, dass jeder Sonntag im Kirchenjahr sein eigenes Thema hat. Heute, am 5. Sonntag nach Trinitatis, wurde es einmal so umschrieben:

Der rettende Ruf. Der Ruf ins Weite. Der Ruf aus Angst und Sorge zum Vertrauen.

Wie hören wir den Ruf Gottes an uns? Oft durch andere Menschen!

 

Auf dem Liedblatt sehen Sie einen Ausschnitt von einem Bild, das Liselotte von Crailsheim vor 20 Jahren für diese Kirche gemalt hat. Es zeigt Johannes den Täufer von hinten. Geheimnisvolles Licht fällt auf sein Haupt und auf seinen Arm. Sein Arm ist weit ausgestreckt: Er weist die Menschen, die zu ihm an den Jordan kamen, weg von sich auf einen Wichtigeren und Größeren. Diesen Wichtigeren und Größeren sieht man nicht im Bild. Der Arm von Johannes dem Täufer weist in dieser Kirche auf das Lesepult, auf die Kanzel und auf den Tisch des Herrn. Lesepult, Kanzel und Altar stehen für Christus. Christus  kommt zu uns: Durch das Wort, das von ihm redet, und durch Brot und Wein in der Feier des Abendmahls. Christus, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt. Christus, der unsere Lasten kennt und mitträgt und auf sich nimmt und schließlich wegträgt. Christus, der uns in die Weite führt. Christus, das Osterlamm.

Liselotte von Crailsheim hat die Menschen um Johannes herum nicht als einzelne, sondern in Gruppen dargestellt. Zu zweit gehen sie zu Jesus und stellen sich in sein Licht. Je näher sie der Lichtquelle kommen, desto heller reflektieren sie das Licht, je weiter weg die Menschen sind, desto dunkler ist es um sie. Die Zwei aus dem Evangelium machen sich auf den Weg. Sie hören Jesus an, sie wollen es genau wissen und sie lassen sich auf Jesus ein und folgen ihm. Dieses Nachfolgen wird dann genauer erläutert: Sie müssen sich eine Frage von Jesus gefallen lassen. Es sind die ersten Worte aus dem Mund Jesu im Johannesevangelium: „Was sucht ihr?

In der Nachfolge Jesu dürfen wir Suchende sein. Wir müssen nicht für alles eine Antwort parat haben. Wir dürfen gemeinsam Suchende sein. Mit seiner Frage: „Was sucht ihr?“ will uns Jesus zu tieferer Selbsterkenntnis führen. So hilft er uns, eigene Antworten zu finden. Er gibt sie nicht allgemeingültig vor. Und wir dürfen Fragen stellen. „Meister, wo wohnst du?“ Das klingt oberflächlich. Doch es ist tiefgründig gemeint. Der Leser hat es schon zuvor vernommen: „Das Wort war bei Gott… und wurde Fleisch und wohnte unter uns.“ Das gilt es zu erkennen. Dazu lädt Jesus ein: „Kommt und seht!“

Ich bin mit meiner Frau zu Ihnen gekommen.

Wir haben die Entscheidung miteinander getroffen. Zu zweit haben wir uns auf den Weg gemacht. Ich höre das Wort Jesu für uns beide so: Kommt in die neue Gemeinde, seht wie ich auch hier wohne, bei den Menschen, denen ihre begegnet, in den Gruppen und Kreisen, in der Kommune.

Was haben wir schon gesehen? Viel ist für uns gemacht worden: Das Pfarrhaus war geputzt. Seife, Handtücher, Toilettenpapier war da. Ganz menschlich und gerade so ein starkes Zeichen des Mitdenkens und der Gemeinschaft. Die Blumen und der Garten sprachen ein deutliches Willkommen aus. Brot und Salz wurden uns überreicht.

Was haben wir schon gesehen? Viele Ehrenamtliche, die das Gemeindeleben tragen, oft zu mehreren – wie es im Evangelium beschrieben wird. Einer holt den andern dazu.

Was haben wir gesehen? Pater Josef, der uns gleich ins Haus bat, und Bürgermeister Nickel beim Wort-Transport, der sich als ökumenischer Bürgermeister versteht. Und die Kindergottesdienstkinder, die uns gesungen haben: „Einfach spitze, dass du da bist“.

Was haben wir gesehen? Die Feuerwehr, die eifrig geübt hat, damit sie für einen Ernstfall gut vorbereitet ist. Ja, wer sich in der Freizeit für andere einsetzt, der lebt seine Berufung.

Was haben wir gesehen? Wir durften die Einführung von Diakon Merklein im Seniorenzentrum Hephata in Aschbach miterleben, den Steigerwaldtag in Haag und den Hagelfeiertag in Dürrnbuch. Die Landeskirchliche Gemeinschaft Wasserberndorf lädt für kommenden Sonntag zum Sommerfest ein. Und auf dem Pfarrkonvent in dieser Woche wurden wir von unseren Kolleginnen und Kollegen herzlich aufgenommen.

„Kommt und seht!“

Ich fand es schön, wie der Vertrauensmann Reinhold Kern uns begrüßt hat: Wir heißen Sie als neue Gemeindeglieder herzlich willkommen. So verstehen wir uns. Wir sind nicht Christus. Wir sind nur zwei, die auch nach ihm fragen und sehen wollen, wo er wohnt.

Es ist bemerkenswert, wie der Evangelist dieses Ineinander von menschlichen Beziehungen und der Beziehung zu Christus beschreibt.

Wir brauchen uns gegenseitig, um uns auf Christus hinzuweisen und nach ihm zu fragen.

 

Den Schutzmantel-Christus aus der Autobahnkirche in Geiselwind sehe ich als Ergänzung zu dem Bild von Liselotte von Crailsheim. Diese Bronzearbeit stammt von Irene Dilling, einer Künstlerin aus dem Steigerwald, die von 1939 bis 2005 gelebt hat. Sie drückt aus, wie Menschen vertrauensvoll und hoffnungsvoll bei Christus eine Bleibe finden. Die Arme Christi weisen nicht woanders hin, sondern sind geöffnet wie die Arme einer Mutter oder eines Vaters. Bei ihm bin ich zuhaus. Bei ihm finden Menschen Geborgenheit - oft zu zweit. Ein weiter Raum tut sich auf. Gut, wenn Unsichere und Zweifelnde, Mutlose und Heimatlose in unserer Mitte eine Heimat finden, weil Christus mitten unter uns ist. Der Schutzmantel-Christus erinnert mich an den segnenden Christus von Bertel Thorvaldsen, mit dem unser Abschied aus Bürglein verbunden ist: Viele haben ihren Namen unter das Bild geschrieben, Menschen in der Nachfolge Jesu wie wir alle. Zu ihm, Christus, dürfen wir uns immer wieder gegenseitig einladen. So wie Andreas seinen Bruder Simon zu Jesus führt. Danach heißt es: „Als Jesus ihn sah, sprach er: Du bist Simon, der Sohn des Johannes; du sollst Kephas heißen, das heißt übersetzt: Fels.“ Bei Christus können wir die Erfahrung machen wie Petrus: Er kennt meinen Namen. Ich brauche ihm gar nichts von mir zu sagen. Er kennt mich durch und durch. Er hat ein weites Herz, traut mir viel zu und stellt meine Füße auf weiten Raum.

Was sucht ihr?, fragt Jesus zuerst.

Die so Gefragten suchen den Raum, wo Jesus wohnt.

Mit ihnen werden auch wir aufgefordert: Kommt und seht!