Dank an alle Erntehelfer - Menschen und Bienen

Das Erntedankfest rückt in unser Bewusstsein, wie abhängig wir sind von vielen Prozessen um uns herum. Die Abhängigkeit vom Wetter haben Landwirte und Waldbauern in diesem Jahr wieder existentiell erlebt. Der Druck, manches anders anzugehen, nimmt zu. Welche Pflanzen kommen mit dem Klimawandel besser zurecht?
Ich empfinde es so, dass ich in meiner Kindheit und Jugend noch unbelasteter das Erntedankfest erlebt und mitgefeiert habe. Heute schwingen so viele Fragen und Ungerechtigkeiten mit, die die Freude am Erntedankfest trüben können. Landwirte spüren die Ambivalenzen in ihrem Alltag ständig. Sie sind mit Leib und Seele in ihrem Beruf tätig, erleben aber auch die zunehmende Bürokratie und mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit. Erntedank sollte ein fröhliches Fest sein, doch schnell wird es von Sorgen und Zukunftsfragen überschattet.
In einem Gottesdienst lassen sich die Probleme und Sorgen in der Landwirtschaft nicht lösen. Aber sie lassen sich formulieren und vor Gott bringen. Sie sollen nicht übergangen werden.
Auch wenn wir nun den Schwerpunkt in diesem Gottesdienst auf das Staunen und Danken legen. Denn dafür braucht es auch einen Ort und eine Zeit.
Die Erntegaben können und wollen uns dabei helfen.

Wenn wir sie anschauen, dann wissen manche, wo die Früchte gewachsen sind. An einem konkreten Baum. Auf einem bestimmten Feld. In einem privaten Garten. Von Hand gesät, gepflanzt, geerntet.
Wir leben auf dem Land und erleben noch das Glück, dass wir das Wachsen der Früchte miterleben. In diesem Jahr musste hier und da auch viel gegossen werden, sollten die Tomaten und andere Pflanzen nicht vertrocknen.
Es ist zum Staunen: In unserem Land werden wir jeden Tag satt. Wir haben so viele gute Sachen zum Genießen. Das ist nicht selbstverständlich. Dafür wollen wir heute danken.
Am Erntedankfest machen wir uns bewusst, wie unser Leben eingebunden ist in das Netzwerk des Lebens, in den Rhythmus von Sonne und Regen, von Sommer und Winter, Tag und Nacht.
Himmel und Erde, Wasser und Land.
Pflanzen und Tiere und Menschen gehören zusammen. Alles Lebendige ist miteinander verbunden. Jedes Lebewesen findet seinen Platz zum Leben, findet sein Essen, seine Aufgabe. Alles ist weise und wunderbar geordnet – so haben es schon die Menschen lange vor uns erlebt und ausgedrückt.
Wir haben in den letzten Jahren aufgrund des Artensterbens und Insektensterbens erkannt, wie wichtig auch die Insekten sind.
Ich will darum unseren Blick einmal besonders auf die Bienen richten.
Ich will es in Form eines Quiz machen.

1. Wie viele Blüten muss die Biene anfliegen, um etwa ein Kilo Honig herstellen zu können?
Etwa 3-5 Millionen Besuche auf Blüten werden gebraucht. Die Bienen sammeln dabei 3 Kilogramm Nektar, aus dem dann später 1 Kilo Honig entsteht. Die Biene hat ja nur einen winzig kleinen Magen (groß wie ein Stecknadelkopf).
2. Wie lange leben Bienen?
Die Königin kann 3-5 Jahre alt werden, da sie ganz besonderes Futter bekommt. Normale Arbeiterinnen leben im Sommer etwa 6 Wochen, im Winter bis zu 6 Monaten. Drohnen leben nur etwa 40 Tage.
3. Wie sprechen Bienen miteinander?
Durch zwei unterschiedliche Bienentänze:
Der sogenannte Rundtanz zeigt an, wo Nahrung in der Nähe des Bienenstocks gefunden werden kann. Dazu läuft die Bienen einfach im Kreis herum und ändert nach einer Zeit ihre Richtung. Der Rundtanz bedeutet: Die Nahrungsquelle liegt in der Nähe.
Mit dem Schwänzeltanz wird Nahrung beschrieben, die weiter als 100 Meter entfernt ist. Dabei wird genau die Entfernung angegeben und die Richtung. Dazu nutzen Bienen die Sonne als Orientierungspunkt und zeigen durch schwänzelnde Bewegungen entlang einer Linie, in welchem Winkel zur Sonne gesucht werden muss.
4. Es gibt auch wilde Bienen und darunter ganz unterschiedliche Arten. Welche der Bienenarten, die ich jetzt nenne, gibt es nicht: Die Pelzbiene, die Grasbiene oder die Holzbiene?
Holzbienen sind nach dem Holz benannt, in dem sie ihre Nester anlegen. Für die Pelzbiene ist ihre dicke Behaarung typisch. Aber Grasbienen gibt es nicht! Überhaupt gibt es weltweit 20.000 Bienenarten, in Europa immerhin 700 Arten und 500 unterschiedliche Bienenarten in Deutschland. Wildbienen und andere Insekten wie Hummeln sind zwar beim Bestäuben nicht ganz so effektiv wie die Honigbiene. Aber an vielen Pflanzen gibt es bessere Erträge, wenn unterschiedliche Insekten auf den Blüten herumgekrabbelt sind.
5. Was sind Winterbienen?
Das sind Bienen, die im August schlüpfen und länger leben. Sie pflegen die erste Brut des folgenden Jahres.
6. Was ist eine Drohnenschlacht?
Im Spätsommer werden die männlichen Bienen (Drohnen) aus dem Bienenstock geworfen, weil sie nicht mehr gebraucht werden.
7. Wie entscheidet sich, ob eine Biene ein Mädchen wird oder ein Junge?
Weibliche Bienen entstehen aus befruchteten Eiern, männliche aus nicht befruchteten.
8. Wie viele Eier legt die Bienenkönigin?
Sie kann 2000-3000 Eier am Tag legen. In einem Sommer können da also bis zu 200.000 Eier zusammenkommen.
9. Was machen Bienen im Winter? Etwa Winterschlaf?
Nein! Bienen bilden eine Wintertraube um die Königin, um sie und sich gegenseitig warm zu halten. Wenn es unter 10 Grad kalt wird, beginnen alle mit den Flügeln zu zittern und heizen damit den Bienenstock. Dabei ändern alle Bienen immer wieder ihre Position, damit alle warm bleiben. Als Kraftquelle wird der eingelagerte Honig oder Ersatzfutter verbraucht.
Ohne die Bienen gäbe es keine Äpfel und Birnen und manches mehr.
Es gibt Pflanzen wie Getreide, die werden durch den Wind bestäubt.
Doch die Mehrheit der Pflanzen nutzt die Mithilfe von Insekten. Das hat den Vorteil: Insekten haben immer Hunger. Also fliegen sie auch dann von Blüte zu Blüte, wenn es mal gar keinen Wind gibt.
Auf der Kaffeepflanze wachsen auch ohne Insekten Kaffeebohnen.
Allerdings gibt es Untersuchungen, die belegen, dass die Kaffeebohnen besser schmecken, wenn die Pflanze zur Blütezeit zusätzlich von Insekten besucht wurde. Das ist bei rund 3 von 4 Nutzpflanzenarten ähnlich. Sie entwickeln einfach bessere Früchte. Gut sieht man das an Erdbeeren. Wenn Insekten auf den Blüten herumgekrabbelt sind, werden die Erdbeeren größer, saftiger, halten länger und sind gesünder (weil sie mehr gute Nährstoffe enthalten).

Erntedankfest. Wir leben in einem reichen Land, auch wenn wir uns einschränken müssen. Wir haben Grund, dankbar zu sein; dankbar für unsere Mittel zum Leben - für die Lebensmittel, die von Landwirten erzeugt werden. Dankbar auch für die Insekten und andere tierische Erntehelfer. Wir wollen sie in das Loblied für Gott mit aufnehmen. Paul Gerhardt hat die Bienen nicht vergessen beim Staunen über die Schöpfung. So danken wir Gott dafür, wie gut Pflanzen und Tiere zusammenpassen. Wunderbar, wie die Insekten als Postboten des Lebens über die Blüten krabbeln. Toll, dass sie mithelfen, uns den Tisch zu decken!
Amen.