Diakonie, Prävention und Trauung für alle: Bayerische Landessynode beendet ihre Frühjahrstagung

Die Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) ist heute in Augsburg zu Ende gegangen. Schwerpunktthema der Beratungen war das Zusammenspiel zwischen Kirche und Diakonie – mit dem Ziel, die Verbindung zwischen Kirche und Diakonie zu stärken. Im Rahmen eines Thementages haben sich die Synodalen über die vielfältigen Leistungen der Diakonie informiert und deren Bedeutung für die Gesellschaft, aber auch für das Ansehen der Kirche bekräftigt. Professor Markus Schmidt, Diakoniewissenschaftler aus Bielefeld, forderte in seinem Vortrag vor der Synode, die Kirche möge sich selbst als Diakonie neu entdecken, sie dürfe das „tatkräftige Handeln“ nicht auf die Diakonie abschieben.
 
Die Synode informierte sich auch über die Arbeit der „Fachstelle für den Umgang mit sexualisierter Gewalt“ in der ELKB seit der Veröffentlichung der ForuM-Studie im Februar 2024. Im vergangenen Jahr hätten 150 Schulungen zur Prävention stattgefunden, im ersten Quartal 2025 bereits 100, erläuterte Martina Frohmader, die Leiterin der Fachstelle, in ihrem Bericht. Dabei gehe Qualität vor Quantität. Außerdem mahnte sie, Schutzkonzepte und die Unterstützung von betroffenen Personen dürften weder wegen der zahlreichen Umstrukturierungsprozesse in der Landeskirche noch wegen mangelnder Ressourcen gekürzt oder verschoben werden. Die Fachstellenleiterin warb dafür mit Multiplikatorinnen und Multiplikatoren Schutzkonzepte auszubauen.
 
Mit großer Mehrheit hat die Synode den Weg dafür geöffnet, dass auch queer lebende Menschen in der ELKB künftig kirchlich heiraten dürfen. Die bisher geltende Unterscheidung nach Geschlechtlichkeit oder sexueller Orientierung zwischen „Trauung“ und „Segnung“ ist damit aufgehoben. Der Gottesdienst anlässlich einer Eheschließung heißt für alle künftig „Trauung“. Damit wird die kirchliche Regelung der staatlichen angepasst, nach der bereits seit 2017 die „Ehe für alle“ gilt.
 
In einer Gedenkminute gedachte die Synode des Leids, das queer lebende Menschen in der Kirche erfahren haben: „Wir erkennen heute, dass queere und queer lebende Menschen in der Kirche großes Leid erfahren haben. Dienstliche Ungleichbehandlungen, Behinderung von Karrieren, Durchgriff ins Privatleben mit Zwangsfolgen für die Lebensläufe und die Aufforderung zum Leben in Doppelmoral haben zwar der damals geltenden Rechtslage nicht widersprochen, waren und sind jedoch unangemessen, ungerechtfertigt und diskriminierend. Einzelne Verantwortliche und die Kirche als Ganze sind an betroffenen Personen schuldig geworden. Zwar kann niemand Vergangenes ungeschehen oder wieder gut machen. Umso mehr muss aber künftig alles dafür getan werden, solch unangemessene Vorgehensweisen zu verhindern. Daher besteht die vordringliche Aufgabe darin, auf allen Ebenen die handelnden Personen zu sensibilisieren und die strukturellen wie rechtlichen Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen.“
 
Die nächste Tagung der Landessynode findet vom 23. bis 26. November 2025 in Amberg statt. Im Mittelpunkt der Beratungen dort steht die Finanzplanung für die kommenden Jahre. Am 7. Dezember wird eine neue Landessynode gewählt, die im März zu ihrer konstituierenden Tagung in Bayreuth zusammentritt.  
 
 
Augsburg/München, 3. April 2025
Christine Büttner, Pressesprecherin